Wer ist denn eigentlich nun Exportweltmeister?

Nicht nur Trump will „America first!“, auch in Deutschland schmerzt der Verlust des Titels „Exportweltmeister“, den zuvor bis 2003 die Amerikaner innehatten, sehr. China dürfte, allen protektionistischen Massnahmen zum Trotz, seinen 2009 erlangten Rang des Landes mit den meisten Exporten halten. Gemessen an den Exporten in US Dollars ergibt sich für das Jahr 2015 folgende Rangliste:

1. China
2. USA
3. Deutschland
4. Japan
5. Südkorea
6. Frankreich
7. Italien
8. Niederlande
9. Grossbritannien
10. Mexico
11. Kanada
12. Belgien&Luxemburg
13. Russland
14. Taiwan
15. Schweiz
16. Indien
17. Spanien
18. Malaysia
19. Singapur
20. Thailand

Doch Halt einmal: wird da überhaupt Gleiches mit Gleichem verglichen? Eigentlich ist es doch nur logisch, dass ein Land, dass das 17-Fache der Bevölkerung Deutschlands in die Waagschale werfen kann, bei den Exporten führend ist. Wer vergleichen will, muss erst Kategorien bilden. Die Rangliste der Exporte pro Kopf sieht denn auch ganz anders aus:

1. Singapur
2. Schweiz
3. Belgien&Luxemburg
4. Niederlande
5. Deutschland
6. Taiwan
7. Kanada
8. Südkorea
9. Malaysia
10. Frankreich
11. Italien
12. Grossbritannien
13. Spanien
14. Japan
15. USA
16. Thailand
17. Mexico
18. Russland
19. China
20. Indien

Das Resultat also ganz biblisch: Die Kleinsten werden die Grössten sein… Doch auch dieser Vergleich ist nicht ganz fair, haben doch Stadt- und Kleinstaaten ganz andere Voraussetzungen als Länder mit Dutzenden von Millionen von Einwohnern – nicht zu reden von den Milliardenstaaten wie Indien und China, die eigentlich aufgrund des riesigen Binnenmarktes gar nicht auf Exporte angewiesen sind. Wer denn nun eigentlich Exportweltmeister ist, muss offen bleiben.

Wäre es nicht ohnehin interessanter, zu wissen, welche Länder auch in Zukunft bei den Exporten die Nase vorn haben? Hätten die Glarner Textilindustriellen beispielsweise früher gemerkt, dass die Produktion erst nach Osteuropa und Asien verlagert werden wird, hätten sie sich was besseres einfallen lassen könnten und es würden nun nicht dutzende von Fabrikarealen brach liegen. Die Frage lautet also: Welche Länder sind so aufgestellt, dass ihre Produkte nicht so ohne weiteres in einem anderen Land hergestellt werden können? Ein Land, dessen Bevölkerung über ein grosses Know-how verfügt und dass breit diversifiziert ist, wird mutmasslich bessere Karten haben. Ranglisten sind in diesem Bereich schwieriger zu erstellen, doch ein gewisser Aufschluss bietet der Economic Complexity Index, der das folgende Ranking bietet:

1. Japan
2. Schweiz
3. Deutschland
4. Schweden
5. USA
6. Südkorea
7. Singapore
8. Finnland
9. Tschechische Republik
10. Österreich
11. Grossbritannien
12. Slovenien
13. Irland
14. Frankreich
15. Niederlande
16. Ungarn
17. Norwegen
18. Slovakei
19. Israel
20. Dänemark

Datenquelle: http://atlas.media.mit.edu/en/ (Exporte; Economic Complexity Index); https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2119rank.html (Bevölkerung)

China und seine Nachbarn: Kein Grund zur Beruhigung

von Maja Blumer

Soeben hat die Münchner Sicherheitskonferenz zum ersten Mal einen Bericht zu aktuellen sicherheitspolitischen Fragen und Trends veröffentlicht: den Munich Security Report 2015. Auch wenn in den letzten Monaten andere Brennpunkte wie der Konflikt zwischen den westlichen Staaten und Russland in den Vordergrund gerückt sind (Gorbatschow warnt bereits vor einem „heissen Krieg“), verheisst der Bericht auch bezüglich China und der Region Asien-Pazifik nichts Gutes, ganz besonders wenn man zwischen den Zeilen liest: Weiterlesen