China und seine Nachbarn: Kein Grund zur Beruhigung

von Maja Blumer

Soeben hat die Münchner Sicherheitskonferenz zum ersten Mal einen Bericht zu aktuellen sicherheitspolitischen Fragen und Trends veröffentlicht: den Munich Security Report 2015. Auch wenn in den letzten Monaten andere Brennpunkte wie der Konflikt zwischen den westlichen Staaten und Russland in den Vordergrund gerückt sind (Gorbatschow warnt bereits vor einem „heissen Krieg“), verheisst der Bericht auch bezüglich China und der Region Asien-Pazifik nichts Gutes, ganz besonders wenn man zwischen den Zeilen liest: Weiterlesen

Neues Weltfinanzzentrum: Hong Kong, Singapur oder Shanghai?

Hong Kong

Maja Blumer

Einer kürzlich erschienen Studie des „Centre for Economics and Business Research“ (CEBR) zufolge werden die Finanzplätze New York und London in den nächsten Jahren in die zweite Reihe zurücktreten müssen. Während diese beiden Finanzzentren im Jahr 2007 vor der Finanzkrise kumulativ fast 650’000 Arbeitsplätze im Finanzsektor aufwiesen, sollen es der Studie zufolge heute nur noch rund 500’000 sein. Gleichzeitig hat sich die Zahl der im Finanzbusiness tätigen Personen in Hong Kong und Singapur im gleichen Zeitraum von rund 180’000 auf 360’000 verdoppelt. Das CEBR rechnet damit, dass Hong Kong die bisher führenden Finanzplätze London und New York bereits in den kommenden zwei oder drei Jahren überrunden wird und dass die Finanzplätze Hong Kong und Singapur 2017 über knapp 500’000 Arbeitsplätze verfügen werden, während deren Zahl in New York und London auf dem heutigen Stand verharrt.

Die Gründe für die Aufholjagd der südostasiatischen Finanzplätze liegen auf der Hand. Das Wirtschaftswachstum findet dort statt: China hat das Wachstum des für das Jahr 2011 bei 9,3% veranschlagt, demgegenüber nehmen sich die Zahlen in den USA (1,8%) und in der Eurozone (1,4%) sehr bescheiden aus, vom düsteren Ausblick (Fiscal Cliff in den USA und Rezession in Europa) einmal abgesehen. Wo Wirtschaftswachstum stattfindet, finden sich auch interessante Investitionsmöglichkeiten und gibt es grosse Vermögen zu verwalten. Die Verschiebung des Weltfinanzzentrums in den Osten ist aber auch auf hausgemachte Probleme im Westen zurückzuführen, etwa das Anziehen der Steuerschraube und das erhöhte regulatorische Dickicht diesseits und jenseits des Atlantiks.

Doch sind Hong Kong und Singapur wirklich die idealen Orte, um ein neues Weltfinanzzentrum zu etablieren? Beide punkten bezüglich politischer Stabilität, hervorragender Infrastruktur und mit tiefen Steuern. Beide Finanzzentren haben allerdings die gleiche Achillesferse: Der Immobilienmarkt ist hoffnungslos überhitzt. Hong Kong hat nun als Notmassnahme beschlossen, auf Immobilienkäufe durch Ausländer eine Sondersteuer von 15% zu erheben. Eine ähnliche Steuer von 10% wird seit September 2011 auch in Singapur erhoben. Dies könnte Expats wie Investoren abschrecken, sich in Hong Kong bzw. Singapur niederzulassen.

Zugleich versucht sich Shanghai, mit dem Segen der „National Development and Reform Commission“ (NDRC), als internationales Finanzzentrum zu etablieren. Bis 2020 soll der Kraftakt geschafft sein. Noch leidet Shanghai unter den restriktiven chinesischen Vorschriften im Banken- und Finanzwesen. Doch erste Schritte sind bereits sichtbar. So wurde etwa vor kurzem bekanntgegeben, dass ausländische Investoren nunmehr 49% an Wertpapierhandelsgesellschaften halten dürfen, nachdem diese Schwelle erst im vergangenen Juli von 20% auf 30% angehoben worden war. Das Rennen um das neue Weltfinanzzentrum ist also offen.